14.02.2020—24.04.2020

Marc Bauer

Kunst, Einzelausstellung, Milano

Opening: 13.02.2020 H18:30

Press release

Biography

Installation views

Dates
14.02.2020
24.04.2020
Location
Milano
Category
Kunst, Einzelausstellung
Information

Opening: 13.02.2020 H18:30

Mit „Mi piace  Commenta  Condividi, A Rhetorical Figure“ präsentiert das Istituto Svizzero die erste Einzelausstellung von Marc Bauer in Mailand.

‚Likes’ und ‚Shares’ sind das Kapital der Sozialen Medien, das Kapital der Gegenwart. Durch einen sanften Click nur kann ich Zustimmung ausdrücken, mit einigen wenigen Worten bloss Meinungen und Abneigungen verbreiten. Die glänzende Oberfläche unserer Smartphones fungiert als Übermittlerin, sie verbindet uns alle mit den Followern da draussen.
Marc Bauer spürt für die Ausstellung „Mi piace  Commenta  Condividi, A Rhetorical Figure“ den Mechanismen und rhetorischen Kunststücken digitaler Kommunikation nach. Er tut dies in einer Zeit, in der Weltpolitik mitunter auch in wütenden Grossbuchstaben via Twitter gesteuert wird und in der sich Katzenvideos in gleichen digitalen Wellen wie Hassreden verbreiten können. Die eigens für die Ausstellung in Mailand neu gefertigten Arbeiten – Zeichnungen, eine Soundinstallation sowie eine grosse ortsspezifische Wandzeichnung – haben ihren Anfang in Marc Bauers Analyse der Twitter-Kommunikation von Matteo Salvini, bis September 2019 Innenminister im Kabinett der italienischen Regierung. Marc Bauers oft in schwarz-weiss, manchmal in Farbe gehaltenen Zeichnungen zeigen dabei auch mal Katzenbilder, nämlich die ‚Gattini con Salvini’, die im Sinne des Lega-Chefs die gegen Rechtspopulismus agierende Bewegung der ‚Sardinen’ auffressen sollen. Katzen und Fische also. Aber auch Hunde und Wölfe: der Hund aus der populären Comic-Reihe „Dylan Dog“ oder der Wolf des Online-Nachrichtenmagazins „Il Populista“. Und darüber, im grossen Wandbild, die unheimlichen geflügelten Wesen aus einer Radierung von Francisco de Goya.

Mit „Mi piace  Commenta  Condividi, A Rhetorical Figure“ thematisiert der Künstler aber nicht nur den Symbolgehalt von verschiedenen Tierfiguren, sondern in einem erweiterten Sinne auch die Macht von Bildern und Worten schlechthin – ihr so politisches wie manipulatives Potential: die Ikonografie von sogenannten Schandbildern mit auf dem Kopf stehenden Portraits oder kopfüber hängenden Menschen beispielsweise, aber auch Bilder von Pizzen und Madonnen als vermeintliche Insignien italienischer Kultur, verschwommene Aufnahmen von überfüllten Booten mit geflüchteten Menschen, angereichert mit eindeutigen Worten, in denen Aussagen über christliche Krippenfiguren zu populistischen Parolen verkommen. In der Recherche und der Akkumulation solcher Bilder und deren zeichnerischen Umsetzung zeigt Marc Bauer, wie digitale Kommunikation funktionieren kann, wie der Markt von ‚Likes’ und ‚Shares’ spielt. In Italien und anderswo, in düsteren – wie Goyas Radierung interpretiert werden kann – oder anderen Zeiten. Und im Hintergrund hören wir leise den Refrain von „Bella Ciao“, der momentan in den Chören der Sardinen über die italienischen Plätze rauscht.

Der Schweizer Künstler Marc Bauer (*1975 in Genf, lebt und arbeitet in Berlin) setzt sich in seinen vorwiegend monochrom gehaltenen Zeichnungen mit persönlichen und kollektiven Vorstellungen von Erinnerung und Geschichte auseinander. Dabei schafft er meist mit Graphit und Bleistift, oftmals frei aus dem Gedächtnis heraus, Welten mit fiktiven Charakteren und Erzählungen, die er in eine vertraute Umgebung setzt.
Marc Bauer studierte an der École Supérieure d‘Art Visuel in Genf und an der Rijksakademie van Beeldende Kunsten in Amsterdam. Neben seiner Beteiligung an zahlreichen Gruppenausstellungen, u. a. im Drawing Room in London (2019), der 21. Biennale in Sydney (2018), dem Centre Pompidou in Paris (2017) und dem Migros Museum für Gegenwartskunst in Zürich (2016), wurden seine Arbeiten in diversen Einzelausstellungen gezeigt, u. a. im Kunstmuseum St. Gallen, im Centre Culturel Suisse, Paris und in der FRAC Auvergne, FRAC Alsace, FRAC Provence Alpes Côte d’Azur. Für 2020 ist eine Einzelausstellung im De La Warr Pavilion in Bexhill-on-Sea (Grossbritannien) geplant. Er ist Träger des GASAG Kunstpreises 2020, der in diesem Jahr zum sechsten Mal in Kooperation mit der Berlinischen Galerie vergeben wird. 2005/2006 war Marc Bauer Fellow am Istituto Svizzero.

Opening reception 13.02.2020
H19:00 Welcome address
Joëlle Comé (Director, Istituto Svizzero)
Gioia Dal Molin (Head Curator, Istituto Svizzero)

 

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